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Aktuell


«die nicht geregnet werden»

Schauspiel von Maria Ursprung

Theater St.Gallen | Lokremise | Uraufführung

Premiere am 25.Mai 2022
Regie: Marie Bues und Jonas Knecht | Ausstattung: Indra Nauck | Musik und Sounddesign: Albrecht Ziepert | Assistenz und Abendspielleitung: Maren Watermann | Chortraining und Soufflage: Dorothea Gilgen
Spiel: Birgit Bücker, Anna Blumer, Grazia Pergoletti, Pascale Pfeuti, Anja Tobler, Tobias Graupner, Julius Schröder

Schwimmbadbetreiberin Berit bekommt nach behobenem Defekt keinen Zugang zu neuem Wasser, um das Becken wieder aufzufüllen – jedenfalls nicht für den Preis von früher. Erst hält sie es für eine Schikane, doch als die Wasserhähne der ganzen Stadt streiken, wird ihr das Ausmass der Trockenheit bedrohlich bewusst.
Maria Ursprung schrieb dieses Stück als Auftragswerk im Rahmen des Stück Labors für das Theater St.Gallen. Sie zeichnet eine Welt, in der die Figuren die Kontrolle über ihren Alltag verlieren, indem sie ihnen die natürlichste und elementarste Ressource entzieht. Wasserhandel gilt als unmoralisch, weil Wasser Leben bedeutet. Aber gibt nicht erst diese Voraussetzung den Antrieb, für etwas Unersetzbares einen entsprechenden Preis zu verlangen? Sie stellt dabei die Frage, ob Menschen anfangen, Wasser als endlich zu betrachten und zu sparen, wenn es seinen Preis hat – spürt man es in der Geldbörse, wird es wertvoll? Muss man es sich verdienen, einen Tropfen abzubekommen?

Presse

Die Nachtkritik (Julia Nehmiz) vom 26.5.2022 meint: […] Es sind diese feinen Sprachbilder, die sich hineinbohren. Durst sei leise, heißt es einmal im Stück. Diese Sehnsucht nach Wasser, die löst Maria Ursprung mit „Die nicht geregnet werden“ aus. Sie schrieb ihr Stück während ihrer Zeit als Hausautorin am Theater St.Gallen. Dort wurde es nun uraufgeführt. Regie führten der St. Galler Schauspieldirektor Jonas Knecht und Marie Bues, designierte künstlerische Leiterin des Schauspielhauses Wien. Ihre erste Zusammenarbeit erweist sich als stimmungsvoller, eindringlicher Abend. […] Marie Bues und Jonas Knecht setzen dies bestechend um. Erzählen die Geschichte mit Heiterkeit und Zartheit, die brutal wird. Ihre Inszenierung beginnt sanft. Somewhere over the Rainbow, trällert jemand – und die anderen Figuren lächeln dicht gedrängt aus der Freibad-Umkleidekabine heraus. Aber ein Regenbogen entsteht nur, wenn es – eben – regnet. […]

Peter Surber im Ostschweizer Kulturmagazin Saiten sagt: […] Schwere Thematik, leicht inszeniert […] Marie Bues und Jonas Knecht inszenieren dieses Horrorszenario mit leichter Hand. Die Schauplätze wechseln so rasant wie die Sätze und Satzfetzen, die sich die Spieler:innen zuwerfen oder chorisch sprechen. Bühne und Kostüme (von Indra Nauck) haben Witz, die Musik (Albrecht Ziepert) treibt das Geschehen voran. Und was musikalisch im St.Galler Ensemble steckt, hört man nicht nur in den Radioschlagern, sondern auch im legendenumwobenen, vielstimmigen «Miserere» von Allegri, das in einer Chor-Prozession fast beiläufig gesungen wird. […] Das Stück zeigt Menschen im Katastrophenmodus – aktueller könnte Theater kaum sein.

Andreas Kläui meint auf SRF 2 Kultur in der Sendung „Kultur kompakt“:
[…] Maria Ursprung beschreibt die Katastrophe in einer einnehmend bildhaften, mit Märchenmotiven und Symbolen angereicherten Sprache, und verknüpft ambitionierte Erzählstränge mit lyrischen Kommentaren. In St.Gallen inszenieren Jonas Knecht und Marie Bues – musikalisch, ebenfalls sehr anschaulich und mit Sinn für den Humor, der sich auch im Text versteckt. Auch die Inszenierung zeigt sich mehr märchenhaft als diskursiv, gleichwohl mit wachem Blick. Die Krise kündigt sich an, wir müssen sie nur erkennen. […]

Trailer

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«Die lächerliche Finsternis»

Szenisches Konzert nach einem Hörspieltext von Wolfram Lotz für sechs Schauspieler_innen und drei Musiker

Theater St.Gallen | Lokremise

«Die lächerliche Finsternis» stand auf der Shortlist des Schweizer Theatertreffens 2021.

Premiere war am 9.12.2020 und WA-Premiere am 18.12.2021
Regie: Jonas Knecht | Ausstattung: Markus Karner | Sounddesign: Albrecht Ziepert | Live-Musik: Andi Peter, Martin Flüge, Nico Feer | Assistenz und Abendspielleitung: Anja Schönwald, Jonas Bernetta
Spiel: Anna Blumer, Birgit Bücker, Jeanne Le Moign, Anja Tobler, Moritz Bürge, Fabian Müller

© Fotos: Iko Freese / drama-berlin.de

Presse

Daniele Muscionico meint in der NZZ vom 14.12.2020:
[…] Drumpads, Loop- und Effektgeräte sind die Urheber, aber auch einfache Dosen, Löffel und Pinsel. Damit schaffen Bühnenmusiker phantastische Live-Klang-Landschaften, Erlebnisräume und die Intensität einer Kopfreise über alle Zeit- und Geografiegrenzen: «Die lächerliche Finsternis» nach Wolfram Lotz ist die letzte Premiere dieses strapazierten und strapaziösen Theaterjahres. Sie wird in St.Gallen im Sounddesign von Albrecht Ziepert zur szenisch-akustischen Geisterbahnfahrt und zu einer Safari ins eigene Körperinnere. Theater ist, was es am Theater St.Gallen ist: eine Reise in die eigene Phantasie – von der man nicht mehr heimkehren möchte.
Dies möglich machen der Schauspieldirektor Jonas Knecht und ein hochmotiviertes Ensemble. Just am Tage vor dem Lockdown, der seit Samstag auch für Schweizer Bühnen gilt, glückt ihm und seiner Truppe zur verordneten Spielpause ein szenisches Konzert, ein Abschied vor der grossen Stille, der in seiner Schönheit beinahe schmerzhaft ist. Der Bühnenbildner Markus Karner hat eine Art von überzeitlich trostlosem Flüchtlingslager, ein Ruinen-Provisorium gebaut, und das Ensemble spielt in Mehrfachrollen leicht und leidenschaftlich auch für nur 50 Zuschauer. […]
Knechts verinnerlichte und hoch-poetische Lesart zeigt auf eine stupende Weise, wie Menschen Unbekanntes zu bannen versuchen. Hier ist es die Natur, das sogenannte Wilde: mithilfe von Einbildung und Wahn nämlich. Diesem Anderen, Bedrohlichen heute «Covid» zu sagen, liegt nahe. Doch Theater muss das Fremde nicht benennen. Es hat dafür einen simplen Begriff bereit – die Kraft unserer Imagination.

Peter Surber sieht im Ostschweizer Kulturmagazin Saiten unsere Inszenierung so:
[…] In Lotz’ Welt ist Krieg – in den Köpfen, in den Geschichten, im mörderischen Zusammenprall von Tragischem und Trivialem. In der St.Galler Inszenierung gewinnen aber die Zwischentöne diesen Krieg. Weite Strecken des Stücks hört man sich über Kopfhörer an. Subtilste Stimmschwankungen, Flüstern und Beben werden so hörbar in einer Transparenz, wie sie auf der Bühne nie zu erreichen ist. Die Inszenierung feiert die Stimme in ihrer Sinnlichkeit und Poesie – und erst noch aerosolfrei.
Die urwaldig wuchernde Geräuschkulisse dazu kommt von den drei Musikern Nico Feer, Martin Flüge und Andi Peter. Ihr Instrumentarium ist von der E-Gitarre bis zur Bohrmaschine ein unerschöpfliches Arsenal an Materialien zur Weckung der Klangfantasie und zur Befreiung der Ohrgänge vor dem Geschrei der Vereinfacher allenthalben.
Das Leitungsteam, Regisseur Jonas Knecht, Ausstatter Markus Karner und Sounddesigner Albrecht Ziepert, arbeitet mit Materialien des «armen Theaters», aber zugleich mit einer Fülle an technischen Raffinessen und Einfällen. Es setzt das Publikum selber der wachsenden Nebligkeit und Bedrohlichkeit dieses surrealen Trips aus, bis dieser für Momente «auf entsetzlichste Weise real» wird – bevor uns dann der nächste Schlenker des Autors wieder ins banale Hier und Jetzt zurückholt. […]

Brigitte Schmid-Gugler schreibt im März-Heft 2021 von Theater der Zeit:
[…] Gerade noch gelingt inmitten dieser sonderbar viralen Ungemütlichkeit ein Streich der Superlative. Und richtiggehend verklärt verlässt man den wunderbaren Theaterraum, schwankend, ein bisschen wie in einem Boot. Oder in einem Kanu, wie es – purpurrot – auf der Bühne steht, dann wieder liegt und nicht nur als Requisit an den Ostschweizer Künstler Roman Signer erinnert: Auch er ist einer wie Lotz, ein humoriger Melancholiker, der gern im Wasser mit dem Feuer der Unwäg­barkeit spielt.
So darf also Theater sein: so behände an den Rissen, den Verwerfungen entlang inszeniert, dass die Harmlosigkeit von selbst das Weite sucht. Das von Wolfram Lotz ursprünglich als Hörspiel angelegte Stück ist hier in einer Mischform aus Musik- und Sprechtheater zu erleben; längere Passagen sind über Kopfhörer zu hören. Das Wechselspiel von sehendem Hören und hörendem Sehen zieht die Sinne in einen Wahnstrudel; man scheint selbst Teil dessen zu sein, was sich dort im überhitzten Niemandsland ereignet. […]
In Lotz’ Text gibt es nur männliche ­Rollen; Knecht besetzt, wie es seinerzeit auch an der Wiener Burg der Fall gewesen ist, die meisten mit Frauen. Die Mitglieder des ­Damenensembles zeichnen die „Zerwürfnisse“ in den Männerköpfen menschlich-­ironisch. Bühnenbildner Markus Karner hat ihnen eine Art Weltbaustelle aus Holzverschlägen gezimmert. Und wo vermeintliche Gewissheiten derart dürftig verschraubt sind, kann auch hinter einer Plastikfolie der Wahnsinn lauern. Solide gebaut sind einzig die Podeste für die drei Live-Musiker. In den Sound von harten Riffs und weich Geklimpertem mischt sich noch die Stimme des Autors, der in seiner Vorlage genau das beschreibt, was hier geschieht: Alles Lineare ist aufgebrochen, ausgetrickst. Die Bilder hängen falsch herum. Es gibt keinen Plan, denn alles wartet darauf, sich in einer Endlosschleife zu wiederholen. Lotz lädt ein zu Um- und Weiterschreibungen. Jonas Knecht, längst bekannt und viel gelobt für seine Live-Hörspiel-Produktionen, nimmt die Aufforderung wörtlich. Die Setzungen tragen seine schnörkellose Handschrift, es ist eine mit feinem Gespür für Nuancen, Gesten und für Wolfram Lotz’ künstlerischen Fatalismus.

Das St.Galler Tagblatt (Bettina Kugler) berichtet am 10.12.2020:
[…] Mag es auch manchmal laut werden, etwa beim Buschgottesdienst von Reverend Lyle Carter (Anja Tobler), zu dem die quer im Saal verstreuten Livemusiker Nico Feer, Martin Flüge und Andi Peter saftig zupacken: Das Gehör ist ansonsten eher auf feinste Zwischentöne und Störgeräusche eingestellt – wie auf einer Expedition in dunkles, unbekanntes Gelände. Kaum setzt man als Zuschauerin die Kopfhörer auf, bekommt die sich dauernd entziehende, abschweifende Geschichte einen geheimnisvollen Sog; die Stimmen nisten sich fast obsessiv im Ohr ein. […]

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Trailer

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«HotSpotOst – Sankt Irgendwo im Nirgendwo»

Schauspielprojekt nach einer Idee von Rolf Bossart mit Texten von Brigitte Schmid-Gugler, Rolf Bossart und Stefan Späti – Uraufführung

Theater St.Gallen | Lokremise

Ein Projekt über St.Gallen, seinen Minderwertigkeitskomplex, seine Selbst-Verprovinzialisierung, seine Absurdität, seine Schönheit, seinen Charme, seine Chnorzigkeit, seine Menschen…
Am 15.September 2021 war Premiere in der Lokremise – und das Publikum dankte uns die grosse Arbeit mit einem tosenden Applaus! Nach zehn Vorstellungen ist das Stück nun abgespielt.

Presse

St.Galler Tagblatt
[…] Man merkt, dass die Autorin lang genug in der Stadt gelebt, genau hingeschaut und recherchiert hat. Ihr Text erinnert oft an Dürrenmatts Grotesken, dient aber nur als Materiallager. Die Beteiligten haben die Dialoge lustvoll zurechtgeschnitten, damit herumgepröbelt, sie weiterentwickelt. Das Resultat ist witzig und entwaffnend ehrlich, der Unterton so lässig wie die Musik von Andi Peter: eine Seelenspiegelung mit subtilem Swing. […]

Saiten, Ostschweizer Kulturmagazin
[…] St.Gallen in Endlosschlaufe: Da können selbst Landesmutter Helvetia und der Stadtheilige Gallus nichts mehr ausrichten. Ausgemustert und sankt müde treffen sich Diana Dengler und Oliver Losehand auf einem Bänkli, schauen hinunter aufs Nirgendwo, kiffen sich mit einem wunderlichen Kazoo-Joint ins Irgendwo, klauen im Hotspot-Büro ein paar Äpfel und zwei Stangen Nespressokapseln und zotteln samt Bär ab. Ein wunderbar absurdes Ende. […]

Trailer

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«Città irreale»

Audiowalk zur gleichnamigen Kunstausstellung in der Lokremise

Theater St.Gallen in Kooperation mit dem Kunstmuseum St.Gallen | Uraufführung

Zum wiederholten Mal stellt die Corona-Pandemie unsere Gesellschaft weltweit vor ungeheuere Herausforderungen. Die gesundheitlichen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen werden uns noch lange beschäftigen. Zugleich müssen wir als Kulturschaffende neue Formen finden, die dem social distancing gerecht werden, aber auch unserem Auftrag, gesellschaftliche Prozesse aktiv zu begleiten.
So entstand der Gedanke zu einer ungewöhnlichen, spartenübergreifenden Koproduktion unseres Schauspielensembles mit dem Kunstmuseum St. Gallen. In der Ausstellung „Città irreale“ werden raumgreifende und skulpturale Arbeiten aus den Beständen des Kunstmuseums zu sehen sein, die zum Teil begehbar sind und sich auf einen sozialen Kontext beziehen. In dem gleichnamigen Audiowalk können Besucher*innen der Ausstellung über Kopfhörer erleben, wie diese Landschaft vergangener Utopien und Dystopien zu neuem, fiktivem Leben erwacht. Die Kunst-Objekte werden zu Reflexionsräumen einer Città Irreale, einer Stadt, die es nicht gibt, aber geben könnte.


Die Ausstellung und der AudioWalk waren vom 6. Februar – 8. August 2021 zu erleben.

Hier gibt’s weitere Infos zu diesem Projekt.

H.

Presse

Ostschweizer Kulturmagazin Saiten
[…] Die Besucher*innen treten in eine Welt ein, in der über die Ohren vermittelt und über den Körper erfahrbar wird, wie etwas sein könnte, wenn es tatsächlich so wäre, und vor welche Herausforderungen uns die Pandemie stellt und noch stellen wird. Innerhalb von nur 50 Minuten gelingt es dieser Koproduktion des Schauspielensembles mit dem Kunstmuseum St.Gallen, das zu artikulieren, nach dem wir uns in Normalität alle sehnen: La realità. […] Der theatrale Audiowalk entführt, verführt, bewegt, schüttelt durch, nimmt mit auf eine Reise. […]

St.Galler Tagblatt
[…] 50 Minuten Theater fürs Ohr: Der vielleicht intimste Museumsbesuch – alleine mit dem Schauspielensemble des St.Galler Theaters in der Kunstzone der Lokremise. Das extra für die aktuelle Ausstellung «Città irreale» in der Kunstzone der St.Galler Lokremise entwickelte Hörstück hat Sogwirkung. Ein Rundgang in zehn Kunst-Stationen durch eine imaginäre Stadt, in der die Zeit viel zu schnell vergeht. […]

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«Vorhang zu, Ohren auf!»

Ausgehend von der Frage, wie Theater während des Lockdowns möglich ist, haben wir am Theater St.Gallen mit unseren Schauspieler*innen eine Reihe von Hörspielen und Hörstücken unter dem Titel «Vorhang zu, Ohren auf!» produziert.
Beim Hören kann sich das Publikum seine eigenen Bilder machen und das Theater im Kopf entstehen lassen.

Hier geht’s zu einer Auswahl dieser Hör-Stücke.

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Die Premieren, die gewesen wären…

«Warten auf Godot» von Samuel Beckett
Premiere | Volkstheater Wien, Volx/Margareten
ab 24.April 2020
Die Produktion ist leider nach nur einer Woche Proben-Zeit dem Corona-Virus zum Opfer gefallen.

«Letschti Rundi» von Julie Paucker
Premiere/Uraufführung | Theater St.Gallen, Grosses Haus
ab 27.Mai 2020
Diese Produktion ist leider ebenfalls dem Corona-Virus zum Opfer gefallen und musste ersatzlos gestrichen werden.

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«Der Prozess»
Schauspiel von Anita Augustin
nach dem Roman von Franz Kafka

Theater St.Gallen | Grosses Haus | Uraufführung
Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, Abteilung Zeitgenössische Puppenspielkunst

Am 10. Januar 2020 standen 10 Schauspieler*innen aus unserem Ensemble, 2 Musiker und 10 Puppenspiel-Student*innen bei uns im Grossen Haus auf der Bühne und spielten die Uraufführung der Überschreibung von Anita Augustin von Kafkas „Prozess“. Das Publikum war begeistert und die Presse meinte, unsere Bühne sei selten so fantastisch und grotesk bevölkert gewesen. Die Produktion ist leider bereits abgespielt. Das Corona-Virus hat die Spielzeit des Theaters St.Gallen Mitte März 2020 abrupt beendet und so den Prozess vorzeitig beendet. Weitere Infos hier.


© Fotos T+T Fotografie / Tanja Dorendorf

Presse

St.Galler Tagblatt
Zerteilte Körper auf reinweissen Sockeln: Kafkas «Prozess» beeindruckt im Theater St.Gallen mit albtraumhafter Ästhetik […] Schauspieldirektor Jonas Knecht hat St.Gallen einen mutigen Theaterabend beschert. Er bringt „Der Prozess“ (nach Kafka) auf die Bühne im Grossen Haus. Der Clou: Die Puppen, mit denen die Schauspieler interagieren, als wären sie lebendig.

Saiten – Ostschweizer Kulturmagazin
Das virtuose Handwerk der Figurenspieler bietet höchste Schaulust. Die Inszenierung von Schauspieldirektor Jonas Knecht und seinem Berliner Co-Regisseur Markus Joss fährt eine verschwenderische Fülle von Bildern, Figurenkonstellationen und Anspielungen auf, denen man als Zuschauer fasziniert folgt und sich ab und zu auch ähnlich klaustrophobisch ausgeliefert fühlt wie Protagonist Ka seinem Prozess.

Südkurier
Das Theater St.Gallen bringt Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ in der Bearbeitung von Anita Augustin auf die Bühne. Regisseur Jonas Knecht macht ihn zu einem Fest der skurrilen Bilder.

Trailer

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«Der letzte Schnee»
Theaterstück nach dem Roman von Arno Camenisch

Konzert Theater Bern | Vidmarhalle 1 | Uraufführung

Die Produktion war zum Schweizer Theatertreffen 2020 eingeladen!

Am 8. November 2019 ging die Uraufführung vom letzten Schnee über die Bühne der Vidmarhalle 1 in Bern. Das Publikum und die Presse waren ziemlich angetan von unserer Inszenierung.
Hier gibt’s Infos zum Stück.

© Fotos Annette Boutellier

Begründung der Jury zur Einladung zum Schweizer Theatertreffen 2020

[…] Am Konzert Theater Bern scheint Jonas Knecht, der St.Galler Schauspielchef, die beiden Gestalten zunächst direkt aus einem Alpental ausgeschnitten und ins Theater importiert zu haben, inklusive dem Tannli neben und dem diversen Gerümpel hinter dem Skilifthäuschen. Der Sound des Romans bekommt auf der weit offenen Bühne viel Raum.
Soweit so texttreu. Doch Romane auf der Bühne brauchen etwas mehr, das Medium Theater muss seine Stärken einbringen. Der scheinbare Naturalismus wird hier fein unterlaufen und überhöht: Einerseits durch Anna Trauffers Live-Musik zwischen Glasharfenklängen und Mahler-Adaption, die einen doppelten Boden schafft. Andererseits durch den Kunstgriff der Regie, den beiden Berglern zwei unsichtbare, aber effiziente Spezialisten der Vergänglichkeit gegenüberzustellen. Geisterhaft, aber überhaupt nicht unheimlich, räumen sie auf, was nicht mehr gebraucht wird. Was kann alles weg? Das Resultat am Schluss dieses 95-minütigen Requiems ist in seiner Lakonik eher erschreckend als überraschend. (Tobias Gerosa)

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Presse

Anne-Sophie Scholl in „Der Bund“ vom 10.11.2019:
«Der letzte Schnee ist der bisher stärkste und erfolgreichste Roman von Arno Camenisch. Die Inszenierung bleibt nah am Text und schafft es, die Variationen über das Verschwinden in starke Bilder auf die Bühne zu übersetzen: ein kleines, kauziges Welttheater, in dem sich Trost und Verlorenheit aufheben. «Der Tod kuriert uns vom Leben», sagt der Georg. Am Ende ist der Schlepplift abgestellt. Und doch ziehen im Hintergrund der Bühne die Bügel eines Schlepplifts ihren Kreis.»

Andreas Kläui im SRF Kultur kompakt vom Montag, den 10.11.2019:
«Am Ende liegt das Skihüttlein in seine Einzelteile zerlegt, sorgfältig angeordnet auf der Bühne, wie ein Sinnbild für einen Schweizer Wintersport, der vielleicht schon bald der Vergangenheit angehört, wenn der Schnee ausbleibt. […] Es ist eine charmante Bühnenfassung, liebevoll und sehr nah am Text, die Jonas Knecht mit den Berner Schauspielern erarbeitet hat.»

Corinna Hirne im „Bündner Tagblatt“ vom 10.11.2019:
«Regisseur Jonas Knecht gelingt eine skurrile, witzige und karikaturhafte Uraufführung von „Der letzte Schnee“ des Bündner Autors Arno Camenisch am Konzert Theater Bern mit klimapolitischem Impetus. […] Die Inszenierung ist eine Metapher für unser Nichtstun. Wie im Schlepplift bleiben wir passiv auf unserer Bahn. Die Klimaveränderung ist eine Tatsache, die wir ignorieren. Währenddessen geht unsere Welt kaputt wie die Hütte im Stück.
Unübersehbar liegt hier ein neuer Becket vor. Auch Camenisch lässt Paul und Georg wie Estragon und Wladimir im Kreis drehen. Insofern passen die langfädigen Momente der Regie gut, um die Zuschauenden auf sich selbst zurückzuwerfen. Die Nervosität, die sich dabei einstellt, das ist die Botschaft des Abends.»

Daniele Muscionico in der NZZ vom 22.12.2019:
«Der stille, poetische und hochmusikalische Abend basiert auf dem gleichnamigen Roman von Arno Camenisch und wird stets vor ausverkauften Reihen gespielt. […] Die erste Fassung, noch vom Autor selber, wurde als ungenügend bewertet – Jonas Knecht als Regisseur, Dramaturg Michael Gmaj und das Ensemble entwickelten eine verdichtete und dabei dichterische Version. Sie ist in ihrer musikalischen Kraft (Anna Trauffer sorgt für Naturtöne) und in ihrer dramatischen Energie dem Original nicht nur ebenbürtig, sie ist ihr in etlichen Passagen sogar überlegen.
Denn hier wird aus Text Spiel, aus Sprache Musik und aus Musik Sprache. Die Produktion kennt die Mittel des Theaters und setzt sie effektsicher ein. Der Mehrwert ist enorm. Die Camenisch-Sätze und Camenisch-Themen – der Verlust von Tradition und von Herkunft – gewinnen an Tiefe und Kraft. Am Ende werden zwei neu eingeführte Götterboten («Spezialisten der Vergänglichkeit») das Bühnenbild von Markus Karner auf kalte, aber entschiedene Weise in seine Teile zerlegen. Doch was tun die nun unbehausten Menschlein sodann? Die Antwort führt ins Theater. In einen Abend, der Camenisch entdeckt, wie dieser sich selber so wahr wohl nicht kennt.»

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«Endstation Sehnsucht»
Drama von Tennessee Williams

Theater St.Gallen | Grosses Haus

Am 7.Juni 2019 hatten wir Premiere im Grossen Haus des Theaters St.Gallen. Ein langanhaltender Applaus hat unsere riesige Arbeit belohnt. In der Spielzeit 2019/2020 ist das Stück ab Mitte November 2019 bis Anfang Februar 2020 nochmals im Programm. Nun ist es leider abgespielt; doch hier gibt’s weitere Infos.

© Fotos drama-berlin.de / Iko Freese

Presse

Das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten (Daniel Fuchs) meint: […] Nahaufnahmen, Seitenaufnahmen, Innenszenen – der Blick des Zuschauers wird multiperspektivisch aufgebrochen. Und doch bleibt am Ende das Ganze kompakt und absolut stimmig, schwebend zwischen Film und Theater.
Live gespielt und leitmotivisch gesetzt, unterlegt Andi Peter das Drama mit feinen Tönen: kleine Riffs, bluesige Motive, immer in der richtigen Dosierung. Was die Musik leistet, steht sinnbildlich für die gesamte Inszenierung von Jonas Knecht: Aus wenig wird viel! Und am Ende des Dramas den «Jungen Mann» im Kittel des Psychiaters auftreten zu lassen, ist ein genialer Einfall.
Gute zwei Stunden Verzauberung sind in dieser Endstation Sehnsucht garantiert.

Rolf App meint in der Ostschweiz am Sonntag: […] Clemens Walters Videokonzept und Jonas Knechts Insze­nierung verbinden sich auf eindrucksvolle Weise zu einem Ganzen. Sie finden auf Michael Köpkes Bühne ein ideales Tummelfeld. Der enge Wohnwagen und ein paar Plastikstühle draussen genügen, um das menschliche Drama in Szene zu setzen. Andi Peter unterlegt mit Bassgitarre, Klavier und Stimme einen Klangteppich, der viel beiträgt zur eindringlichen Wirkung des Abends. […]

Und im St.Galler Tagblatt steht: […] Mit «Endstation Sehnsucht» von Tennessee Williams gelingt Jonas Knecht am Theater St. Gallen ein eindringlicher Wurf. Nicht zuletzt dank Anja Tobler in der Rolle der Blanche DuBois, deren Spiel frösteln lässt. […] Während Blanche auf die Narben in ihrem Innern Schutzschicht um Schutzschicht an erfundenen Geschichten legt wie Schminke auf ihr alterndes Gesicht, demontiert er sie Stück um Stück. Die Leere in ihrem Herzen, sie ist unerträglich. Nicht nur für Blanche selber. Auch für uns. Das aber ist Anja Toblers Verdienst. Ihr von den Kameras unbarmherzig herangezoomtes Gesicht spricht Bände. Da steht eine Schauspielerin auf der Bühne, die restlos verschmilzt mit ihrer Figur. Die mit ihr unter Stanleys verbalen Hammerschlägen ihre Würde verliert und zugrunde geht an der Wahrheit. Einmal, gegen Ende hin, verkriecht Blanche sich unter einen Tisch, verfolgt von den Kameras. Es ist eine Schlüsselszene dieser eindrucksvollen Inszenierung.

Für nachtkritik war Valeria Heintges bei uns: […] Die Liveübertragung gibt den Schauspielern, allen voraus Anja Tobler als Blanche, die Gelegenheit, genauer und feiner zu spielen. Beeindruckend, wie Tobler ihre Blanche zwischen Hoffnung und Verzweiflung oszillieren lässt, wie sie sich am eigenen Verführungsspiel berauscht, das sie ausnahmslos allen Männern angedeihen lässt, die ihr begegnen. Am flirrendsten und erotischsten in der Begegnung mit dem Zeitungskurier (Tobias Graupner), der sie an ihren Ehemann erinnert, der sich erschoss, als sie seine Homosexualität entdeckte, und dessen Tod Blanche nie überwunden hat. Wie Tobler hier die Contenance der Lady wahrt und doch den Kurier immer wieder zurückruft, um ihn erneut zu becircen, das hat große Klasse. […]

Der Südkurier meldet: […] Bewegend: „Endstation Sehnsucht“ in St. Gallen: Bei Tennesee Williams‘ Klassiker denkt man vor allem an die Verfilmung mit Marlon Brando. Doch die St. Galler Inszenierung verhilft der deutlich vielgestaltigeren Figur der Blanche wieder ins Rampenlicht. […]

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«In der Ostschweiz wohnt die Theater-Avantgarde»
NZZ-Artikel

Daniele Muscionico bespricht in der NZZ vom 15.04.2019 unsere beiden vergangenen Premieren „sterben helfen“ und „Der Kirschgarten“ und zieht eine schöne Bilanz von unserem Schaffen am Theater St.Gallen.

[…] Schon wieder glückt dem Theater St. Gallen ein Meisterstreich. Unter der Schauspieldirektion von Jonas Knecht hat man sich die Rechte der Schweizer Erstaufführung für eines der brisanten deutschsprachigen Gegenwartsstücke gesichert: Regisseur Manuel Bürgin inszeniert «Sterben helfen» des jungen Dramaturgen am Schauspiel Frankfurt, Konstantin Küspert. […]

[…] Mit «Sterben helfen» festigt das Schauspiel in St. Gallen seinen Ruf als Ur- und Erstaufführungstheater zeitgenössischer Stoffe von erheblichem Brennwert und gesellschaftspolitischer Brisanz. «Der Mann, der die Welt ass» verhandelte das Phänomen des Burnout; das Psychiatrie-Stück «Versetzung» wiederum, inszeniert von Jonas Knecht selbst und gleichfalls eine Schweizer Erstaufführung, hielt den Scheinwerfer auf die Krankheit bipolare Störung.
St. Gallen gelingt die Öffnung für andere Publikumsschichten und mit niederschwelligem Angebot die gesellschaftliche Debatte. Publikum und Fachleute treffen sich regelmässig zu Nachgesprächen, und immer wieder zeigt der Faktencheck: Die Gnadenlosigkeit und die Genauigkeit, mit der die Autoren ihre Anliegen auf der Bühne beschreiben, findet über Theaterkreise hinaus Anerkennung. […]

[…] In St. Gallen werden Wagnisse unternommen. Man setzt auf neue Stücke und zeitgenössische Handschriften, und das ist in mehrfacher Hinsicht Pflicht. Die Ausstrahlung des Hauses nämlich wird dominiert von den Musicals, mit welchen man erfolgreich auf die Publikumsbedürfnisse nach Unterhaltung reagiert. Als Musical-Haus hat man einen Ruf über die Landesgrenzen. Doch die Nischen zu bespielen und sowohl Inhalt und Tiefe als auch politische Relevanz anzustreben, steht einem Mehrspartenhaus gut an. Wenn es denn nicht sogar sein Bildungsauftrag wäre. Diese Funktion erfüllt das Schauspiel unter Jonas Knecht. […]

Hier geht’s zum ganzen Artikel.

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«Dornrösli bockt»
Kinderstück von Anja Horst nach den Brüdern Grimm [5+]

Theater St.Gallen | Studiobühne | Schweizer Erstaufführung

Die Premiere unserer Kinderproduktion war am 23.Januar 2019 in der Studiobühne des Theater St. Gallen.

Presse

Bettina Kugler meint im St.Galler Tagblatt vom 24.1.2019:
[…] Überhaupt ist es so schlau wie gewitzt und temporeich, dazu eine Hommage an das Theater und seine kleinen Tricks, wenn es mit wenig Aufwand Wirkung erzielen und das Publikum fesseln will.
Erfreulich auch, dass die vergleichsweise kleine, wenig prestigeträchtige Studioproduktion für einmal Chefsache ist: Schauspieldirektor Jonas Knecht hat die Regie übernommen und dabei sicher kein einziges Mal gegähnt. Wie sagt der kusshungrige Frosch so schön, als er sich kurz vor Schluss noch einmal ins falsche Märchen verirrt? «Den Versuch war’s wert!» Zweifellos, und mehr als das. […]

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«Versetzung»
von Thomas Melle

Theater St.Gallen | Lokremise | Schweizer Erstaufführung

Am 13.September 2018 feierte die Schweizer Erstaufführung dieses Stücks Premiere am Theater St.Gallen in der Lokremise. Nach vielen vollen Vorstellungen über zwei Spielzeiten und einem Gastspiel am Theater Winterthur ist es nun abgespielt. Hier gibt’s weitere Infos.

Presse

Harald Müller meint im Theater der Zeit – Heft 11/2018:
(den ganzen Artikel gibt’s hier als PDF)

[…] Der Vorzug dieser Arbeit, auch gegenüber der Uraufführungsinszenierung vor Monaten am Deutschen Theater Berlin, ist, dass sich Jonas Knecht und seine Dramaturgin Julie Paucker entschlossen haben, die Vorlage wegzurücken von emotionaler Geiselnahme und Stimmungsachterbahnen; stattdessen setzen sie einen analytischeren Ansatz durch, drängen episierende Elemente zurück, kappen überlange Monologe, um zu einem kompakten Textgefüge zu gelangen. So gibt es denn auch weniger Theater-Theater zu sehen, die naheliegenden Auf- und Ausbrüche der Hauptfigur, die zwischen Manie und Depression, Überanpassung und Individualitätstrotz pendelt, werden zurückgenommen und in ein durchaus beeindruckend zu nennendes Ensemblespiel überführt, das ein eindrückliches Beziehungs- und Bedingungsgeflecht entwirft und auch schauspielerisch überzeugt. Nicht die Krankheit des Einzelnen wird so zur Metapher des Abends, sondern die der Umwelt, der Gesellschaft. […] Langanhaltender Beifall für einen ziemlich starken Theaterabend, der der Falle des Didaktischen entkommt.

Daniele Muscionico in der NZZ vom 23.11.2018 schreibt:
[…] Jonas Knechts Inszenierung ist fokussierter als die Vorlage, sie erreicht unsere Lebensrealität und spielt mit der Erfahrung der Zuschauer; und dennoch ist sie voller Bilder von kunstvoll poetischer Kraft und hochmusikalisch, auch in ihrer Sprachbehandlung. […]

Das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten (Frédéric Zwicker) beschreibt so: 
[…] Das Geniale daran ist, wie es Melle und Schauspieldirektor Jonas Knecht, der für die Inszenierung verantwortlich ist, gelingt, begreifbar zu machen, dass der Kranke sich in seiner Manie als den Gesunden sieht. Ihm scheinen alle anderen den Verstand zu verlieren. Die Kombination von sprachlichen und schauspielerischen Mitteln, die zu diesem Zweck eingesetzt werden, ist äusserst gelungen. […]

Das St.Galler Tagblatt (Hansruedi Kugler) meint zu unserer Inszenierung:
[…] Die anderen werden, im Moment, wie sie ihn fallen lassen, zu mechanischen Puppen ihres Wankelmuts, ihrer Boshaftigkeit, ihrem Karrierestreben. In diesen Szenen scheint das choreografische Talent von Regisseur Jonas Knecht besonders auf. […]
Denn hier wird kein rührseliges Sozialdrama geboten, sondern eine phasenweise etwas gar nach Psychiatrielehrbuch riechende, aber packende Studie eines Verfalls. Man weiss danach etliches mehr über Manisch-Depressive und hat einen fabelhaften Fabian Müller gesehen. Die Verantwortung im Umgang mit psychisch Kranken tritt in Jonas Knechts Inszenierung ins Zentrum – mit einem tollen Ensemble. […]

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